Wir über uns

Beim Spaziergang über einen Friedhof wird Einem die eigene Endlichkeit knallhart bewusst: Friedhöfe erzählen Geschichten, sind Erinnerungsorte gelebten und geliebten Lebens, sind Erinnerungskultur. Sie sind auch beliebte Kommunikationstreffs für Menschen, die ähnliche Schicksale und Schicksalsschläge verbinden – hier können sie zur Ruhe kommen, sie können die Gedanken abschweifen und „fliegen“ lassen  – oder sie können anderen „Übriggebliebenen“ einfach ihre Erlebnisse mit Sterben, Tod und Trauer erzählen. Friedhöfe sind wichtig! Friedhöfe sind Oasen. Friedhöfe sind Energiequellen für die Lebenden.

So auch der Bergedorfer Friedhof. Er ist ist in keinem Fall „nur“ ein Ort der Trauer, sondern auch ein Ort der Begegnung und Erholung. Durch seine wunderschöne Lage am Wald und entlang an Wanderwegen – bietet er viel mehr, als bloße Trauer-Verlust-Erinnerungen an ausschließlich „dunkle“ Tage.

Er bietet uns „ Hinterbliebenen“ eine Chance zum Austausch, zum Lernen durch Geschichte und Tradition – er bietet uns die Möglichkeit, ein kleines Stück „Ewigkeit“ zu retten – zu fühlen – Beständigkeit zu erleben. Der Tod gehört zum Leben und zum Leben gehört der Tod. Unsere Verstorbenen gehören zu uns.

Aber dies vergessen wir oft im hektischen Alltag, verdrängen Trauer und Betroffenheit, ignorieren, dass den Symbolen und Schauplätzen von Tod, Sterblichkeit und Ewigkeit – Gräbern, Grabschmuck, Grabsteinen und Friedhofskapellen  – ebenso Würde und Ehre gebührt wie unseren Verstorbenen selbst.

Sie sind es eben – unsere Vorfahren – die Bergedorf so gestaltet und belebt haben, zu dem gemacht haben, wie es uns heute umgibt. Darauf können wir stolz sein. Auf dem Bergedorfer Friedhof liegen heute unsere „Stammzellen“, unser Ursprung – unsere Wurzeln und unsere Geschichte – eine Verbindung zwischen Lebenden und Toten, die durch Nichts zu trennen ist.

Im Laufe der Jahre sind viele Friedhöfe aufgrund stets knapper werdender öffentlicher Finanzmittel und auch durch den Wandel im Bestattungswesen unter einen enormen Kostendruck geraten. Billig, anonym, schnell einerseits und würdevoll, sowie traditionell andererseits soll es sein. Eine Bestattungskultur im Wandel und voller Widersprüche – außen wie innen. Geht das auch ohne viel Geld?

Beides passt kaum noch zusammen – weniger Mittel in den „Haushaltskassen“ lässt oft nur eine schnelle „Entsorgung“ von Tod und Trauer zu und doch: Die Tradition ist auch wichtig, gibt Sicherheit und Sinn! Individualität ist gefragt – beim Bestatten und beim aktiven Trauern, wenn es bezahlbar ist. Es muss!

Wir schreiben, lesen  fast täglich  über den Werteverfall in unserer Gesellschaft – über Kirchenaustritte, von einer Jugend die nichts  an nichts mehr „glauben“ kann – Werte kaum noch kennt, da sie nie vermittelt wurden. Eine Jugend, die Beständigkeit im sozialen Gefüge ihrer Familie durch z.B. Scheidungen vermisst – und erleben muss, wie „Oma“ aus Geldmangel anonym bestattet wird.

Der Trend geht deutlich zum anonymen Abschied. Aber niemand ist namenlos, auch nicht im Tod, jeder Verstorbene hinterlässt Spuren – Spuren, die sich in sein Leben eingegraben haben, die nicht einfach wegzuwischen sind. Vielleicht finden wir als noch Lebende auch, dass es eine gute Vorstellung ist, wenn uns später einmal Angehörige oder Freunde am Grab besuchen kommen … eine Blume, ein Foto oder ein Lieblingsplüschtier auf unser Grab legen und sich uns nahe fühlen.

Psychologen schreiben häufig folgenden Satz: „Trauer kann nur dann krank machen, wenn sie nicht aktiv gelebt wird“.

Und es geht noch weiter: Wenn Gräber verfallen, weil sich keiner kümmert, Kapellen verkommen wo würdige Traueratmosphäre angebracht wäre und Geld  genau dort fehlt, wo es um Werte wie Erinnerungskultur und „Wurzelpflege“ geht – wer kann da erwarten, dass eine Jugend ein Wertesystem verinnerlicht, wo Geld-und Sinnmangel die Kulturlandschaft prägt, weil sich totgespart wird, Erinnerung und Emotionen zu den Akten gelegt werden.

Aus diesem Grund habe ich, Regina Koop, den Förderverein Friedhof Bergedorf e.V. gegründet: Ich möchte gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen im Bereich des Denkmal-, Natur- und Landschaftsschutzes die Friedhofsverwaltung und somit den Bezirk Bergedorf aktiv bei Gestaltungs- Verschönerungs-und Pflegeprojekten für den Friedhof unterstützen. Zu diesem Zweck sammeln wir auch Spenden – Spenden, die durchaus projektgebunden sein können.

Der Friedhof Bergedorf soll nicht nur ein Ort der Trauer, sondern ein Schauplatz der menschlichen Begegnung und Erholung der Sinne sein. Wir wollen das uns hinterlassene Kulturerbe sichern und lebendig erhalten – so bleiben auch unsere Verstorbenen für uns in lebendiger Erinnerung. Wenn wir unsere Toten und unsere eigene historische Identität wertschätzen, sollten wir das an unserem Bergedorfer Friedhof auch deutlich zeigen und uns für eine Identifizierung mit unseren Werten stark machen!