Friedhofsverein sorgt für Ärger
Friedhofsverein sorgt für Ärger (Artikel in der BZ 29 Juni 2010)
Wir nennen uns Förderkreis Friedhof Bergedorf und sorgen für Ärger?
Die ehemals nur für muslimische Bürger gedachten Trauerräume für alle Glaubensrichtungen und Kulturen zu öffnen, ist ein offizieller Bezirksbeschuss, der am 29. Mai in der Bergedorfer Bezirksversammlung einstimmig beschlossen und veröffentlicht wurde. Durch diesen Beschluss wurde die Bezirksverwaltung beauftragt, sich um die Öffnung der Räumlichkeiten für alle Religionen zu kümmern.
Schade ist, dass nun ein Förderkreis, der gerade Mal am 19.05.2010 ins Vereinsregister eingetragen wurde, ins Kreuzfeuer genommen wird. Ein Förderverein, der Gutes tun will – für Trauernde aller Religionen und für Bergedorfer Bürger in Zusammenarbeit mit der Verwaltung.
Wir begrüßen den Vorstoß der Muslime und gehen davon aus, dass auch Ihnen der bisherige Zustand der Räumlichkeiten und der dazugehörigen Umgebung unbekannt ist bzw. war.
Die umstrittenen Räumlichkeiten wurden über Jahre nicht genutzt und rundherum beginnt der Zustand bedenklich zu werden. Fast 6 Jahre ungenutzte Räumlichkeiten ohne Pflege – das hinterlässt Spuren!
Würden zum heutigen Tage Muslime die aktuellen Räumlichkeiten für einen Abschied nutzen wollen, wären sie mit Sicherheit erschrocken wenn nicht schockiert – und hätten einen offensichtlichen Grund zur Empörung. Wir sind uns sicher, dass niemand – unabhängig seiner Religion – in diesen eigentlich neuen, aber fast nie benutzten Räumen und so heruntergekommener Umgebung, Abschied von seinen Angehörigen nehmen möchte.
Aus diesem Grund stellen wir Ihnen hier Fotos der besagten Räumlichkeiten zur Verfügung. Die hohen Summen für den Bau, der politische Einsatz und im Gegenzug die Verwahrlosung des Gebäudes stehen sich gegenüber und sind nun ans Tageslicht gefördert worden.
Cengiz Yagli, der sich damals vor allem für das Gebäude und das muslimische Gräberfeld auf dem Friedhof eingesetzt hat, erklärte, dass sich eine Nutzung durch muslimische Trauernde erst noch etablieren müsse. Die jetzige Generation sei noch nicht bereit, sich hier beerdigen zu lassen und würde eine Beisetzung in ihrer Heimat noch bevorzugen. Um diese Räumlichkeiten für die zweite oder dritte Generation erhalten zu können, ist dringender Handlungsbedarf von Nöten, wie unsere Fotos belegen.
Ganz offensichtlich gibt es ein großes Interesse an einer häufigen Nutzung der Abschiedsräume, das zeigen die Rückmeldungen der Bergedorfer Bürger. Das Telefon steht hier kaum still; es sind Menschen aller Religionen, Menschen mit Verlusten, Menschen mit Idealen, die helfen wollen, positiv verändern wollen, denen Ihre Verstorbenen wertvoll sind. Bergedorfer Bürger, denen der Friedhof, ihr Bergedorf wertvoll ist. Ohne eine Bekanntmachung der Möglichkeiten auf dem Bergedorfer Friedhof durch den Förderkreis, stünden die Räumlichkeiten wohlmöglich noch jahrelang „unentdeckt“ leer und ungenutzt. Es geht hier also keinesfalls um die Beschneidung der Rechte, sondern lediglich um eine Nutzungserweiterung und die Integration aller Gruppen.
Hamza Yilmaz, Vorstand der Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde, wirft zudem in dem Artikel der Bergedorfer Zeitung vom 29. Juni 2010 auf, dass die speziellen Waschräume im Gebäude einmalig in Hamburg seien und Muslime ein Anrecht auf derartige Räume hätten.
Dieser Aussage stehen wir sehr positiv gegenüber. Wir freuen uns ebenfalls, dass mit diesen Räumlichkeiten auf dem Bergedorfer Friedhof etwas noch einzigartiges in Hamburg angeboten werden kann. Anzumerken ist jedoch, dass, sofern jeder Religion diese Räume zur Verfügung stehen, eine Nutzung der Wasch- und Abschiedsräume durch Muslime weiterhin gewährleistet sein wird. Durch die Bekanntmachung der Möglichkeiten könnte diese Stätte ein Anzugspunkt für Trauerfeiern der Moslems unserer Stadt werden.
Behinderte fordern behindertengerechte Zugänge zu Kapellen, es fehlen behindertengerechte geöffnete Toiletten und für die wunderschöne Kapelle 1, die zudem unter Denkmalschutz steht, wird Geld für einen Innenanstrich und Licht benötigt. Nicht zu bestreiten ist, dass die Räumlichkeiten in Vergessenheit geraten waren, auch in der muslimischen Gemeinde. Vielleicht ändert sich dieses jetzt durch diesen Presseartikel. Zu betonen ist außerdem, dass wir ein Förderverein des Friedhofs Bergedorf sind und dieser Ort zeichnet sich nun mal aus durch Bestattungsplätze für alle Religionen. Dieser Friedhof ist ein Ort, der alle Themen des Lebens berührt. Es ist Ort ein für trauernde Russen, für Polen, für unsere totgeborenen Kinder, für unsere Kinder, für gefallene Soldaten, für wichtige Bergedorfer Persönlichkeiten, für Christen, für Nichtreligiöse, für alle Menschen, die um einen Menschen trauern.
Hier im Förderverein vertritt kein Bestatter eigene, berufliche Interessen, sondern es setzen sich Menschen aller Altersgruppen und Religionen in diesem Förderkreis für eine gepflegte und würdige Friedhofskultur ein.
Wie oben bereits erwähnt, fehlt es dem Bezirk leider an Geld (siehe auch Presseartikel) für die Pflege der Kapellen. Bei Kapelle 2 wird sogar von „Abriss“ gesprochen – unter eben dieser Kapelle 2 liegt jedoch die Kühlung, der „Versorgungsort“ für Verstorbene. Unsere Verstorbene werden also an einem Ort versorgt bzw. verabschiedet, den der Bezirk nur durch „Abriss“ verändern, retten, pflegen kann? Es gibt auf dem Bergedorfer Friedhof keinen würdigen Wasch- oder Abschiedsraum für einen offenen Abschied, geöffnet für alle Religionen.
Zunehmend bieten daher Bestatter in näherer Umgebung ihre Räumlichkeiten für einen offenen Abschied oder für eine Waschung an – gegen Bezahlung. Kann dieser Zustand tatsächlich für den Bezirk Bergedorf und für die Hansestadt Hamburg, für die Bürger in und um Bergedorf eine Lösung sein?
Wir möchten mit der muslimischen Gemeinde und dem Bezirk Bergedorf bzw. der Verwaltung an einer gemeinsamen Lösung arbeiten, die für alle die Türen öffnet. Daher hat der Förderkreis Friedhof Bergedorf den Beschluss der Bezirksversammlung begrüßt und ist bereit, mit der Verwaltung zu kooperieren.
Wir sind der Meinung, dass kein Friedhof, keine muslimische Gemeinde, kein Mensch den jetzigen Zustand als akzeptabel hinnehmen kann!
Der Verein hat folgende Ziele:
- Pflege und Erhalt aller Kapellen
– Erhalt wertvoller Grabkulturen
– Erhalt und Pflege eines Kulturgutes für alle Religionen, Näheres lesen Sie in unserer Satzung.
„Es sind die Lebenden die den Toten die Augen schließen, es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.„
In diesem Sinne begrüßen wir eine Zusammenarbeit mit allen Kulturen und der zuständigen Verwaltung des Bezirks Bergedorf.
In und mit der Trauer sind wir alle im Herzen gleich, unsere Tränen fließen und wir wünschen unabhängig aller Religionen unseren Verstorbenen einen respektvollen Umgang und dazu gehört auch eine respektvolle Umgebung.
Trauer geht uns ALLE an!
In diesem Sinne
Von Mensch zu Mensch!
Zum Leben gehört das Sterben und das Sterben gehört zum Leben!
1. Vorsitzende des Fördervereins Regina Koop
Fotos der Räumlichkeiten
Blick in den Gang vom Eingang des Gebäudes
Eingangstür zu den Räumlichkeiten
Direkt neben dem Eingang in den Abschiedsraum
Zustand der Decken
Veröffentlicht unter: Allgemein am 09.08.2010






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